Manchmal wünsch ich mir einen elektronischen Mönch...
Ich gestehe es geradeheraus: Wenn Erna B. vor versammelter Gemeinde erzählt, wie Gott ihr Gebet erhört und ihren Staubsauger zum Leben erweckt hat, verfalle ich meist mitnichten in inneren, heiligen Jubel. Vielmehr gesellt sich zu dem mich anheim fallenden Unbehagen oft der Wunsch nach einem elektronischen Mönch.
Was ein elektronischer Mönch ist? Nun ja, einfach ein Arbeit und Mühe sparendes Gerät, wie wir deren heute so manche besitzen, wie z.B. Geschirrspülmaschinen oder Videorekorder. Geschirrspülmaschinen waschen dreckiges Geschirr für dich, sie sparen dir eine Menge Arbeit und Mühe, die du hättest, wenn du das Geschirr selbst spülen müsstest. Ähnlich die Videorekorder: Sie schauen all die vielen Filme für dich, die du ansonsten alle selbst ansehen müsstest. Und ähnlich auch elektronische Mönche, sie glauben all die vielen Dinge für dich, von denen andere (Christen) von dir erwarten, dass du sie selbst glaubst. Diese geniale Erfindung von Douglas Adams könnte doch manchmal extrem entlastend wirken, oder?
OK, ich gebe zu, diese Erfindung besitzt durch und durch imaginären Charakter und kann uns wohl nicht mehr als einen kurzen, heiter-tröstlichen Segen zukommen lassen. Aber immerhin. Wer noch etwas lebenspraktisches mit auf dem Weg haben möchte, dem sei zu guter letzt noch ein Rat von meinem alten Freund Giovanni della Casa - seines Zeichens Erzbischof von Benevent - der im Jahre 1609 ein kleines Büchlein über gute Manieren herausgab. Darin findet sich folgende Lebensweisheit (folge ihr und Du wirst glücklich werden!): „Es gehöret sich auch nicht, wenn du die nase gewischet hast, dass du das schnuptuch auseinander ziehest und hineinguckest gleich als ob dir perlen und rubinen vom gehirn hätte abfallen mögen.“
Du fragst dich nach dem roten
Faden in diesem Text, nun, vielleicht findest Du ihn im letzten Zitat. „Gott
will nicht, dass die Menschen weinen, sondern er will sie zum Lachen bringen.
Der Lärm der Weltgeschichte klingt in das Lachen der Erlösten aus.“ (Heinz
Zahrndt)


Auch unter der Gefahr, dass ich damit deinen Beitrag zu ernst nehme:
Ich kenne genau dieses Gefühl, mit "Zeugnissen" konfrontiert zu sein, die ich, naja, eigenartig finde. Mir hat dabei ein, wahrscheinlich sehr postmoderner, Gedanke geholfen: Wer sagt das ich das glauben muss, nur weil der/die da vorne es glaubt? Und wer sagt, dass der/die da vorne das nicht glauben darf, nur weil ich es nicht glaube? (Daraus lässt sich natürlich keine solide Theologie bauen - aber im Gottesdienst reicht's ;))
Posted by: Alex | Jan 24, 2007 at 00:13
Bei solchen Sache geht es m.E. nicht darum, ob man es glaubt oder nicht, sondern das man sich mit der Person freut, deren Staubsauger wieder funktioniert. Ich habe neulich übrigens unsere Katze durch Handauflegen geheilt! Echt!
Posted by: Onkel Toby | Jan 24, 2007 at 08:06
Danke ihr beiden! Keiner sagt mir, dass ich das glauben muss. Nur würde ich es gerne einfach glauben können, denn dies ist die Vorraussetzung dafür, dass man sich mitfreuen kann. Aber wie gesagt: Allzu ernst war das auch nicht gemeint, trotzdem frag ich mich manchmal, wie wir so dreist sein können und ganz selektiv manche Dinge, Erlebnisse und Wirkungen auf Gott als Ursache zurückzuführen, andere jedoch nicht...Das ist doch kackendreist, oder?
Posted by: TobiK | Jan 28, 2007 at 13:57