Die Spiritualität des Mobiltelefons...

Wie die neuen Kommunikationstechnologien uns und unsere Spiritualität formen, dieser Frage ging vor ein paar Wochen Shane Hipps in Mars Hill nach. Eine ungemein wichtige Frage und ein absoluter Hörtipp...

Wer sind wir heute? - Teil V: 'Christentum im Zeitalter der Interpretation'

Walter hat netterweise das Thema der Säkularisierung wieder aufgenommen, die bisher vorgestellten Thesen hervorragend zusammengefasst und einige spannende Fragen gestellt. Unter anderem vermutet er, „dass die Säkularisierung kein allgemeines Gesetz ist, sondern eine Frucht der besonderen Religion, die Europa geprägt hat: des Christentums“. Statt zu versuchen auf die vielfachen Fragen selbst zu antworten (da gäbe es gerade ZU viel zu sagen), will ich die Reihe mal fortsetzten, in dem ich eine Position vorstelle, die genau an dieser Hypothese anschließt (wenn auch auf ganz andere Weise wie Walter): die Position von Gianni Vattimo, eines bekannten italienischen Philosophen. Für ihn ist die Säkularisierung tatsächlich die konsequente Fortführung des christlichen Glaubens.

Auch Vattino versucht in seinem Aufsatz ‚Christentum in Zeitalter der Interpretation’ die geschichtliche Situation in der wir leben, sprechen und glauben zu verstehen. Wie der Titel schon sagt, ist seine These, dass wir im Zeitalter der Interpretation leben. Dies bedeutet: Unsere Zeit ist durchdrungen von der ‚Wahrheit der Hermeneutik’, die da lautet: Es gibt keine Tatsachen, sondern nur Interpretationen, da wir alles stets nur von einem bestimmten Vorverständnis aus verstehen können. Dies mag heutzutage fast wie eine Binsenweisheit klingen, doch Vattimo macht klar: „man [spricht] nicht ungestraft von Interpretation [.]. Die Interpretation ist wie ein Virus, das alles infiziert, womit es in Berührung kommt.“ 

Das mag fast wie eine – von Stimmen aus dem christlichen Lager nicht unbekannte – Relativistenschelte klingen, Vattimo zielt jedoch in eine ganz andere Richtung. Entscheidend ist nämlich – und das ist ein Punkt der in den ganzen Postmoderne-Debatten oft genug missverstanden wurde: Die ‚Wahrheit der Hermeneutik’ (kurz: 'Alles ist Interpretation') darf nicht als Tatsache, als objektive Aussage, als die eine richtige Beschreibung der Wirklichkeit, als endgültige Entschleierung des ‚wahren Wesens’ der Dinge missverstanden werden.

„Auch die Aussage, dass es nur Interpretationen gibt, ist ‚nur’ eine Interpretation.“ Und weiter: „Wenn man über diesen Sachverhalt ernsthaft nachzudenken beginnt, wird einem schlagartig klar, in welchem Maße die Hermeneutik die Philosophie und die Dinge selbst verändert hat.“ Denn: Wenn die Aussage ‚Alles ist Interpretation’ selbst ‚nur’ als eine Interpretation verstanden werden darf, d.h. als eine spezifische Deutung der Welt, dann stellt diese Deutung selbst eine Antwort auf eine ganz bestimmte geschichtliche Situation dar. Mit anderen Worten: Sie ist Teil einer Situation, der sie zu ent-sprechen sucht und in die wir unentrinnbar verwickelt sind.

Dies bedeutet: Die ‚Wahrheit der Hermeneutik’ ist die Erscheinung der geschichtlichen Existenz, wie sie sich heute zeigt. Dies ist von vielen mit verschiedenen Worten belegt worden: Nietzsche sprach vom ‚Nihilismus’, Heidegger vom ‚Ende der Metaphysik’, andere sprechen vom ‚Ende des Eurozentrismus’, von der ‚Auflösung der Bewußtseinsevidenz durch Psychoanalyse’, Lyotard vom ‚Ende der Metaerzählungen’, usw.

Was Lyotard und andere Theoretiker der Postmoderne jedoch nicht gesehen haben, ist, wie Vattimo meint, „dass Nietzsche und Heidegger aus dem Inneren der biblischen Interpretation heraus sprechen.“

„Tatsächlich ist es nicht so abwegig, wie es zunächst vielleicht klingen mag, den von Nietzsche angekündigten Tod Gottes mit dem Tod am Kreuz, von dem die Evangelien berichten, gleichzusetzen.“

Und damit sind wir beim Kern von Vattimos (für alle Seiten) provozierende These. Vattimo schreibt: „Die Beziehung, die die moderne Hermeneutik zur Geschichte des Christentums unterhält, ist also nicht nur, wie man immer angenommen hat, durch die wesentliche Nähe von hermeneutischer Interpretation und exegetischer Ausdeutung biblischer Texte bestimmt, sondern Hermeneutik – im radikalsten Sinne des Wortes, wie ihn Nietzsche und Heidegger verkörpern – ist nichts anderes als die konsequent entwickelte und zu ihrer Reife gebrachte christliche Botschaft.“ Anders gesagt behauptet Vattimo, „dass der post-moderne Nihilismus die aktuelle Wahrheit des Christentums darstellt“. Das ist natürlich eine steile These.

Vattimo nimmt an, dass die größte Herausforderung der christlichen Kirchen in der Moderne die Anmaßung der Wissenschaft war, die von sich behauptete, die einzige gültige Quelle der Wahrheit zu sein. In den Auseinandersetzungen und Kämpfen mit diesem Anspruch der Alleingültigkeit der Wissenschaft kam es dazu, dass die christlichen Kirchen sich selbst das objektivistische Wahrheitsverständnis der Kirche aneigneten, die Aussagen der Bibel als wissenschaftliche Aussagen behandelten und ein ‚Buchstabenverständnis’ entwickelte.
Damit machten die modernen christlichen Kirchen quasi das objektivistische Wahrheitsverständnis selbst zum Gott oder Götzen und es kam in vielen Fragen zum „Riss zwischen Wahrheit und caritas“.

 Der Ausweg aus diesem Widerspruch (der auch heute an vielen Stellen virulent ist, man denke nur an die aktuellen Diskussionen rund um das Christival) ist für Vattimo klar:

„Der einzige Weg, der der Kirche bleibt […] ihre universalistische Berufung voll zu entfalten, besteht darin, die Botschaft des Evangeliums als Prinzip der Auflösung jedweder objektivistischen Ansprüche zu verstehen. Es ist kein Skandal, wenn wir sagen, dass wir deswegen an das Evangelium glauben, weil wir wissen, dass Christus auferstanden ist, sondern dass wir glauben, dass Christus auferstanden ist, weil wir es im Evangelium gelesen haben. Eine Umkehrung dieser Art ist unabdingbar, wenn wir dem zerstörerischen Realismus und Objektivismus wie auch dem Autoritarismus, den diese im Gefolge haben, und der die Geschichte der Kirche lange Zeit geprägt hat, entkommen wollen.“

Anders: „Wenn es zwischen Christus und der Wahrheit zu wählen gelte, würde ich Christus wählen, heißt es einmal bei Dostojewski. Aber diese Alternative gibt es gar nicht, wenn wir alle Konsequenzen der Botschaft des Evangeliums berücksichtigen. Denn die Wahrheit, die uns Jesu zufolge frei machen wird, ist nicht die objektive Wahrheit der Wissenschaften, auch nicht die Wahrheit der Theologie, ebenso wenig wie es sich bei der Bibel um ein Buch über Kosmologie, ein Handbuch zur Anthropologie oder gar zur Theologie handelt. Die Offenbarung der Schrift ist nicht dazu da, uns darüber zu informieren, wie wir beschaffen sind, wie Gott beschaffen ist, worin die ‚Wesenheiten’ der Dinge oder die Gesetze der Geometrie bestehen – um uns auf diese Weise durch die ‚Erkenntnis’ der Wahrheit zu erlösen und zu erretten. Vielmehr besteht die einzige Wahrheit, die uns die Schrift offenbart,  in der Wahrheit der Liebe und der caritas, die keiner Entmythologisierung unterzogen werden kann, da es sich bei ihr nicht um eine logische oder metaphysische Aussage, sondern um einen praktischen Appell handelt.“

Und noch mal auf den Punkt: „Weil wir noch nicht nihilistisch genug sind, das heißt weil wir noch nicht christlich genug sind, setzen wir dem geschichtlichkulturellen Verständnis der biblischen Tradition immer noch die 'natürliche Wirklichkeit' entgegen, die angeblich unabhängig von jeglicher Überlieferung existiert und von der wir immer noch glauben, dass sie den 'Maßstab' auch für die biblische Wahrheit abgeben sollte.“

Soweit die sicherlich provozierenden Thesen von Vattimo. Bin gespannt wie die verehrte Leserin dazu denkt...

Das böse China, das heilige Tibet und das (fast) vergessene Simbabwe

Ehrlich gesagt keckst es mich ziemlich an, wie in den letzten Tagen und Wochen in den deutschen Medien ein völlig einseitiges, undifferenziertes Bild vom bösen China und von dem guten, fast schon heiligen und unterdrückten Tibet gezeichnet wird. Und wie fast alle dieses Bild in ihren subjektiven Meinungen nachzeichnen...Und auf welch selbstgerechte Art und Weise dies oft geschieht...Und das gleichzeitig Situationen in denen eine viel eindeutigere und viel größere Ungerechtigkeit vorliegt (Beispiel Simbabwe) viel weniger öffentliche Aufmerksamkeit und Empörung ernten. Der objektive, moralisch einwandfreie Blick des Westens - welch schöner Selbstbetrug!
Ein sehr differenzierten und kenntnisreichen Artikel eines Chinawissenschaftlers zur China-Tibet-Problematik gab es heute in der taz. Und ich bitte alle die zu dieser - mindestens als kompliziert einzustufenden - Problematik ihre Meinung äußern wollen, den Artikel zu lesen.

Endlich...

Endlich ist mir mal gelungen, was ich seit Monaten bis Jahren auf meiner To-Do-Liste stehen habe: die (wenigsten grobe) Überarbeitung dieses Blogs: Endlich die Emergent und RelevantBlogs-Banner integriert, ein neues Bild, eine kürzere Beschreibung des Blogs, kaum genutzte Kategorien gelöscht und die 'emerging church'-Kategorie in die viel passendere 'emerging conversation'-Kategorie geändert sowie veraltete Sidebars gelöscht. Endlich...

Lebenszeichen usw.

Endlich mal wieder ein richtiges Schlunzwochenende, zuletzt waren mal wieder bewegte Zeiten. Letztes Wochenende war 'Stranger Than Paradise'-Wochenende unseres Insaint-Kollektivs (Johannes und Arne berichteten), Montag bis Mittwoch ging die erste Uni-Woche so richtig los, samt meiner beiden Seminare ('Beobachtungsmethoden' und 'Lernen aus phänomenologischer Perspektive'), Donnerstag war dann der 1. Studientag Gesellschaftstransformation in Marburg, auf dem ich einen Workshop mit dem kurzen Titel 'Nachfolge als Lernprozess. Warum guter Wille kaum hilft. Transformatorische Aspekte einer ganzheitlichen Nachfolge.' gehalten habe. Blieb der Freitag für meine Doktorarbeit, sitze immer noch an dem Kapitel über Hirnforschung, das nun schon über 60 Seiten hat.
Natürlich hab ich dann gestern den grandiosen 5:1 Sieg gegen Schalke genossen. Seit ich die Bremer Mannschaft ein Stück ihres Weges begleiten konnte, geht es natürlich wieder aufwärts ;-) Denn letzten Freitag auf dem Weg zum Insaint-Wochenende trudelte plötzlich die gesamte Werderaner Mannschaft samt Schaaf und Allofs auf dem Bahnsteig ein und besetzte kollektiv das letzte Zugabteil. Wundere mich, ob es zu einem Pressetermin ging oder tatsächlich 2. Klasse DB nach Berlin, vielleicht war das ja eine Strafmassnahme. So, genug des Lebenszeichens - normalerweise erzähle ich ja gar nicht so viel privat.

Lasst uns Bankenkrise spielen...

Dieses schöne, kurze Video von Extra3, dass Helge mir netterweise zugesendet hat, ist wirklich sehr sehenswehrt:

Zu der Frage, ob der Staat die Banken retten sollte, gab es in der letzten Ausgabe der Zeit auch ein interessantes Pro und Contra. Ausnahmsweise bin ich mal mit Josef Joffe einer Meinung.

Heaven Is Not Our Home

Dachte dieser kurze Artikel von N.T.Wright würde auch einige von Euch vielleicht interessieren.

Die Qual der Wahl(religion) und andere Konfusionen...

Ach was für simple und doch herrliche Videos. Man spricht ja viel davon, dass jeder sich heute seine Religion selber auswählen muss. Doch wie sieht kann so etwas eigentlich aussehen, bitte schön:

Hier der zweite Teil (diesen auf keinen Fall verpassen):

Und dann noch zum Thema 'turn or burn':

Studiengang Gesellschaftstransformation

Ich hatte das letzte Jahr die Freude und Ehre an der Planung und Konzeption eines ganz besonderen Studienganges mitzuarbeiten: das Aufbauprogramm, das zum Master in Gesellschaftstransformation (Master in Transformation Studies (MTh)) führt. Dieser qualifiziert für Aufgaben in den Praxisfeldern zwischen Gemeinde, Mission und Gesellschaft und umfasst theologische, sozialwissenschaftliche und missionarisch-diakonische Elemente. Er wird vom Marburger Bibelseminar in Kooperation mit der staatlichen Universität von Südafrika (UNISA) und der Gesellschaft für Bildung und Forschung in Europa (GBFE) angeboten.

Der Studiengang ist international und in Deutschland anerkannt, umfasst sechs Semester und wird berufsbegleitend absolviert. Nähere Infos gibt es hier: www.gesellschaftstransformation.de

Der erste Jahrgang geht bereits diesen Herbst los und ich werde an einigen Modulen als auswärtiger Dozent beteiligt sein. Wäre nett, wenn ihr diejenigen, die der Studiengang vielleicht interessieren könnte, darauf aufmerksam macht.

Paulus in Athen

Fast hätte ich es vergessen. Habe letzten Sonntag über die Kommunikation des Evangeliums am Beispiel von Paulus in Athen gepredigt. Wer mag, kann es sich hier anhören.

Worauf ich auch vermisst habe rechtzeitig hinzuweisen. Wir haben eine neue Runde gemeinsames Bibellesen und Kommentieren gestartet - diesmal über zwei Jahre, so ist das Pensum gut verträglich. Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen, hat nun nur schon Anfang Februar angefangen. Ich bin auch dabei: Lese das AT in der Übersetzung von Martin Buber, die Evangelien in der Übersetzung von Walter Jens und den Rest des NT mit der Message. Diese 'fremden' Übersetzungen verschaffen mir einen neuen Blick und die nötige Distanz mich dem ganzen zu nähern - großes Kino!

Zur Glaubensaffinität postmoderner Theorieproduktion

Spannend: Der sehr bekannte 'postmoderne' Literaturprofessor Terry Eagleton hat ein Buch über Jesus geschrieben und weil dieser dabei recht gut wegkommt, ist die Intellektuellenszene empört. Die taz hat das Buch rezensiert und macht dabei folgende Feststellung:

"Die postmoderne Theorieproduktion, mit ihrem Faible für das Symbolische, Imaginäre und Zeichenhafte, hatte seit jeher eine gewisse Glaubensaffinität. Dass sich Gesellschaften als symbolische Ordnung konstituieren, Subjekte ihre Identität nicht auf rationale Weise ausbilden, dass das Ideologische nicht bloß ein Überbauphänomen ist, sondern die Welt zusammenhält, gehört heute oftmals zu den Grundgewissheiten von Cultural Studies, Ethnologie und Philosophie. Damit steht diese psychoanalytisch inspirierte Geisteswissenschaft in einem Spannungsverhältnis zu rationalem Pragmatismus und aufklärerischem Positivismus. Im Kontext eines solchen Denkens hat das Religiöse eine höhere Würde als ein szientistischer Naturalismus à la Dawkins."

Augennektar

Neulich gab es bei Spiegel-Online eine schöne Sammlung der hässlichsten Plattencover der Welt, dies hier fand ich mit am besten:
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Wer sind wir heute? - Teil IV: Das bleibende Wahrheitsmoment am Säkularisierungstheorem

Nachdem wir mit Berger einen kurzen Blick auf die religiöse Lage der Welt und mit Casanova einen kurzen Blick auf die religiöse Lage in Europa geschaut haben, und dabei als Ergebnis die Säkularisierungsthese in ihrer klassischen Form abweisen mussten, bleibt die Frage: Wer sind wir heute? Wie sonst kann man die Lage der Religion in der westlichen, (post-)modernen Welt deuten und der bedeutende Wandel ihrer Rolle in den letzten Jahrhunderten? 

Um diesen Fragen ein wenig nachzugehen, möchte ich mich an einige Thesen und Reflexionen des Theologen und Religionspädagogen Bernhard Dressler (aus diesem Buch) anlehnen und diese kurz darstellen.

Dressler zieht vor, statt von einem Bedeutungsverlust von einem Bedeutungswandel der Religion zu sprechen. Nach dem Ende der Säkularisierungstheorie sei in der Religionssoziologie Pluralität als das neues Paradigma aufgetaucht. Mit anderen Worten: Entscheidendes Kennzeichen der heutigen Situation sei das vielfältige Nebeneinander vieler Weltanschauungen und Religionen sowie der damit verbundene Zwang des Einzelnen sich für eine Weltanschauung frei entscheiden zu müssen. Dressler lehnt diese, von Peter L. Berger vertretene Sichtweise ab, weil er weder die Situation der Pluralität als das Signum der Moderne ansieht noch die These der freien Wahlentscheidung des Individuums so akzeptieren kann. Auch in Zeiten der Individualisierung würden Menschen über Gemeinschaften und Traditionen, die häufig sehr eng an ihre Herkunft gekoppelt sind, in spezifische Religionen hineinwachsen. Und statt der Pluralität sieht er die funktionale Ausdifferenzierung als Hauptkennzeichen der Moderne und als bleibendes Wahrheitsmoment am Säkularisierungstheorem. 

Für die Nicht-Soziologen ein kleiner Exkurs: Funktionale Differenzierung ist ein Begriff aus der Systemtheorie. Es wird davon ausgegangen, dass sich Gesellschaften ähnlich der Evolution in der Biologie entwickeln und zunehmend komplexer werden.

„Es werden drei aufeinanderfolgende Typen von Gesellschaft angenommen:

  1. Segmentäre Differenzierung: Einfache, kleine, räumlich voneinander getrennte, gleiche Gesellschaften mit face-to-face-Kommunikation (Stämme, Dörfer etc.); alle Mitglieder haben im Wesentlichen die gleichen sozialen Rollen inne.
  2. Stratifikatorische Differenzierung (antike Hochkulturen, Mittelalter): Gesellschaft differenziert sich nach hierarchischen sozialen Schichten als Teilsystemen (Adel, Bürger, Bauern, Besitzlose o.ä.); ein Individuum gehört jeweils nur einem Teilsystem an. Im Laufe der Frühen Neuzeit findet in Europa ein historisch einzigartiger Wandel zu funktionaler Differenzierung statt.
  3. Funktionale Differenzierung: An die Stelle von hierarchischen Schichten als sozialen      Teilsystemen treten in einem langen Transformationsprozess autonome Funktionssysteme (Politik, Wirtschaft, Recht, Religion, Wissenschaft etc.), die sich verselbständigen und autonome Regeln und einen je eigenen „Code“ entwickeln, so dass sie nicht mehr auf andere Funktionssysteme zurückgreifen, sondern nur auf sich selbst („Selbstreferentialität“). Das      Individuum gehört in verschiedenen sozialen Rollen verschiedenen Funktionssystemen an („Inklusion“ aller in alle Funktionssysteme). Das stellt neue Anforderungen an die Individuen, die sich zwischen den Teilsystemen hin- und herbewegen müssen (Zeitökonomie, Selbstkontrolle      etc.).“ (Quelle)

Wichtigstes Ergebniss dieser funktionalen Differenzierung ist für Dressler die Pluralisierung und Nichthierachizität der Rationalitätsformen. Vereinfacht gesagt: Jedes Teilsystem hat seine eigene spezifische Logik und Weltsicht, keines kann sich jedoch als den anderen grundsätzlich überlegen betrachten. Dies aber bedeutet für die Religion, dass sie ihren Monopolanspruch auf die Weltinterpretation und auf die Normierung der Lebensgestaltung unwiderbringlich verliert.

Dies aber führt bei Menschen in funktional differenzierten Gesellschaften zu einer Bewegung der Reflexivität: Statt großen Erzählungen zu glauben, die das Weltganze verständlich machen wollen, bekommen die Menschen zunehmend ein Gespür für die Nichtverrechenbarkeit unterschiedlicher Rationalitätstypen. Statt von einer ihnen zugänglichen Zentralperspektive auszugehen, entwickelt sich ein topisches Denken in Perspektiven und Horizonten. Dieses Differenzbewußtsein sickert zunehmend in die Alltagskommunikationen und lässt einen neuen Denkstil entstehen, indem alle weltanschaulichen Konzepte immer schon reflexiv gebrochen, d.h. nur noch als Deutungen denkbar sind. Natürlich entstehen als Gegenbewegungen neue Einheitstrends, wie der fundamentalistische Szientismus eines Dawkins.

Gleichzeitig vollzieht sich ein Traditionsabbruch und eine Grundlagenkrise der modernen Kultur (vor allem durch ökologisches Krisenbewußtsein), in der säkulare Gewissheiten wegbrechen (die Überlegenheit der westlichen Gesellschaft, der Fortschrittsgedanke, die Wissenschaft als Garant der wirklichen Wirklichkeit, die Hoffnung auf weltliche Utopien).

Dadurch kommt es auch zu neuen Paradoxien. So ging mit der wissenschaftlichen ‚Entzauberung der Welt’ ein Machbarkeitsglaube einher, der mittlerweile selbst entzaubert wurde. Gleichzeitig ist die Dynamik, mit der sich die Welt zum Material technischer Machbarkeit wandelt (siehe aktuelle Gendebatte), ungebremst. Dies führt zur paradoxen Erfahrung, dass Welt und Leben zunehmen als gemacht erfahren werden (nichts ist mehr Schicksal), gleichzeitig aber ein geglücktes Leben und eine menschenfreundliche Welt dennoch nicht machbar scheinen. 

In der Wiederkehr des Religiösen sieht Dressler auf diesem Hintergrund nicht nur eine kurzfristige Zeitmode, sondern vielmehr Symptom eines epochalen Wandels und einer tiefgreifenden kulturellen Krise. Wichtigstes vorläufiges Ergebnis sieht er darin, dass die  Modernisierungsprozesse selbst reflexiv werden (Aufklärung der Aufklärung). In diesem Prozess kommt es zugleich zu einer Bewusstwerdung eines Mangels an Kultur zum Verhalten zum Unverfügbaren. Überall ist die Rehabilitierung von Erkenntnisweisen und Wirklichkeitsbereichen beobachtbar, die nicht durch funktionale oder zweckrationale Denkmuster zu erfassen sind. Allerdings bleiben diese bislang weitestgehend auf den Bereich privater Lebensdeutungen beschränkt und sind somit vielleicht ein reines Kompensationsphänomen.

Soweit einige sehr komprimierte Gedanken von Dressler. Ich finde sie enthalten einige wichtige Einsichten. Was das für die unterschiedliche Erfahrung von Generationen sowie was das für den christlichen Glauben bedeutet, dazu bald mehr. Zuerst einmal würden mich aber Eure Gedanken, Kommentare und Fragen (weitergehende wie Verständnisfragen) interessieren.

Eine neue Erweckung?!

Jim Wallis, Autor von Wer, wenn nicht wir. Streitbare Visionen für eine gerechte Politik“ hat ein neues Buch geschrieben. Im letzten Buch, dessen Originaluntertitel „Why the Right Gets It Wrong and the Left Doesn´t Get It“ lautet, versuchte Wallis ganz grundlegend den Zusammenhang von christlichem Glauben und gerechter Politik darzustellen. Mein Lieblingsmotto daraus: „Gott ist persönlich, aber niemals privat“.

Das neue Buch trägt nun den Titel The Great Awakening: Reviving Faith & Politics in a Post-Religious Right America” und soll die historische und theologische Grundlegung für einen transformativen öffentlichen Glauben legen. 

Jim Wallis sieht momentan zwei große Sehnsüchte in unserer Welt: die Sehnsucht nach Spiritualität und die Sehnsucht nach sozialer Gerechtigkeit. Er schreibt: “I believe that the connection between the two is one the world, and especially a new generation, is waiting for.”

Aus diesen großen Sehnsüchten sieht er eine neue geistliche Erweckung im Entstehen: „I am not just saying that another Great Awakening may be coming. I’m convinced that it has already begun, and the book begins to tell its stories. As I’ve often said, this could be a revival that calls us to find common ground by moving to higher ground. It could transcend traditional divisions and bring people together across the theological and political spectrum on the major moral issues of our time. It asserts that religion should not be a wedge to divide us, but a bridge to bring us together.”

Aktuell sieht er nicht nur die amerikanische politische Linke aufwachen, die sich grob gesagt spirituell öffnet, sondern auch die Evangelikalen: „the agenda of the faith community—especially the evangelical community—is changing dramatically to include issues such as poverty and pandemic diseases, environmental care and climate change, trafficking and human rights, genocide, war and peace.”

Zur Unterstützung dieser Aussage zieht er einige Gewährsmänner an:

„Bill Hybels, senior pastor of Willow Creek Community Church, says that many evangelicals are ready for just such a "justice revival." He says, "We are interested in the poor, in racial reconciliation, in global poverty and AIDS, in the plight of women in the developing world."

And Rich Nathan, senior pastor of the Vineyard Church of Columbus, Ohio, says that "there is a spiritual awakening across America... on behalf of the poor and the most marginalized.”

Und: “Adam Hamilton, pastor of the United Methodist Church of the Resurrection, wants to "fan the flames of the 21st-century revival within Ameri­can Christ­ianity. This revival is a reclaiming of the fullness of the gospel—a gospel that invites people into relationship with God through Jesus Christ, transforms them from the inside out, and then calls them to pursue justice, to practice radical compassion, and to both pray and work for God’s kingdom to come on earth as it is in heaven."

Soweit ein paar Auszüge aus einem Kurzartikel über das Buch bei Sojourners. Spannend, spannend! 

Ehrlich gesagt hatte ich immer etwas Angst vor einer Erweckung, sollte sie aber so aussehen: ich bin dabei. Es bleibt also zu hoffen, dass diese Stimmen Recht behalten und zudem auch die Evangelikalen in Deutschland aufwachen (weil ohne Aufwachen keine Erweckung, äh andersrum, oder wie?) und das Evangelium von seiner konservativen, privatisierten Form entwässert wird.

Wer (er)kennt diesen Mann? - Die Auflösung

Also das Rätsel ist ja von Depone schnell gelöst worden, wobei der bestimmt geschummelt hat
;-) Es ist tatsächlich der gleiche Mann, der im Bild hier unten, an meinem Microsoft-Laptop sitzt, weil er beim Emergent-Forum, wie die anderen Mac-User auch, mit seinem Mac nicht ins Internet kam: Brian McLaren.

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Das ältere Bild ist übrigens von 1978, als Brian McLaren eine LP aufgenommen hat, die man sich hier kostenlos runterladen kann (ist wohl legal, Brian Mclaren hat selbst darauf verlinkt)

Wer (er)kennt diesen Mann?

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Wer sind wir heute? - Teil III: Die religiöse Lage in Europa

Endlich möchte ich meine Serie fortsetzen. Das letzte Mal ging es um einen Aufsatz des Religionssoziologen Peter L. Berger. Dieser versuchte die religiöse Lage der Welt zu skizzieren und anhand dieser zu zeigen, warum die meisten Religionssoziologen die Säkularisierungsthese aufgegeben haben. Nur zwei Ausnahmen lies er gelten: Europa und die weltweiten Bildungseliten.

Heute möchte ich daran anschließend ein paar Gedanken aus einem Aufsatz des Religionssoziologen José Casanova wiedergeben. In diesem versucht dieser einen Überblick über ‚Die religiöse Lage in Europa’ zu geben und zu schauen, ob sich die Säkularisierungsthese wenigstens für die Ausnahme Europa bei genauerem Blick bestätigt.

Ein erste These Casanovas ist, dass diese Lage äußerst komplex ist und man kaum eine einheitliche Lage darstellten kann.

Die mit Abstand atheististische Region Europas ist das frühere ‚Ostdeutschland’, gefolgt von der Tschechischen Republik und den skandinavischen Ländern. Springt man einmal über die Oder, ist man im anderen Extrem angelangt: In Polen bezeichnen sich, wie in Irland und Portugal, ca. 90% der Bewohner als ‚Gläubige’, in ‚Westdeutschland’ gilt dies immerhin für ca. 65%. Überhaupt repräsentieren ‚Westdeutschland’ und Großbritannien am ehesten den europäischen Durschnitt. 

Tendenziell gilt: Katholische Länder sind stärker religiös als protestantische oder gemischte (Ausnahmen Frankreich und Tschechische Republik); die ehemals kommunistischen Länder hingegen weniger (Ausnahmen Polen und Slowakei), auch wenn viele dieser Länder seit 1989 ein „bemerkenswertes Wachstum“ erlebt haben.

Mit Ausnahme von Ostdeutschland und der Tschechischen Republik bekennen sich in allen europ. Ländern eine Mehrheit der Bevölkerung zum ‚Glauben an Gott’. Ostdeutschland ist das einzige Land, in dem sich eine Mehrheit (51%) als atheistisch bezeichnet. Auch hier liegt Tschechien an Platz zwei, doch hier bezeichnen sich schon nur 20% als Atheisten. 

Der Glaube an einen persönlichen Gott im Sinne der jüdisch-christlichen Tradition liegt im Durchschnitt in jedem Land um zwanzig Prozentpunkte niedriger. Für den Autor überraschend liegt die Zahl derjenigen, die mehrmals im Monat beten und derjenigen, die an (rel.) Wunder glauben, in vielen Ländern höher als die Zahl derer, die an einen sich sorgenden Gott glauben.

Noch kleiner ist die Zahl derer, die angeben schon einmal persönlich eine religiöse Erfahrung gemacht zu haben. Interessanterweise ist bei letztem Punkt die Streuung am geringsten, in fast allen, auch den sonst sehr religiösen, Ländern liegt hier der Wert zwischen 10% und 20%. Nur Italien sticht absolut heraus, dort behaupten 31% der Bevölkerung schon einmal eine religiöse Erfahrung gemacht zu haben. [Die meisten, wie ich schätze, beim Fußball].

Die genauen Daten für ‚West’-‚ und ‚Ostdeutschland’ sind:

- Glaube an Gott (65%; 25%)

- Theist (45%; 17%)

- weder Atheist noch Agnostiker (78%; 36%)

- Gott kümmert sich (37%; 14%)

- Gebet mehrmals im Monat (41%; 14%)

- Religiöse Wunder (39%; 39%)

- Religiöse Erfahrungen (16%; 10%)

- Atheist (11%; 51%) 

Insgesamt lässt sich die individuelle Religiosität so zusammenfassen, dass die Mehrheit der europäischen Bevölkerung sich einen allgemeinen Glauben an Gott erhalten hat, jedoch die Zahl derjenigen, die sich zu einem Glauben an einen persönlichen Gott bekennen, regelmäßig beten und eine religiöse Erfahrung gemacht haben, in dem meisten Ländern eine kleine Minderheit darstellen. Gleichzeitig glaubt eine Mehrheit an ein Leben nach dem Tod, Tendenz steigend, und es ist Allgemein eine starke Hoffnung auf Transzendenz festzustellen.

Dies alles betraf nur die individuelle Religiosität, wie aber sieht es mit der ‚Teilhabe an gemeinsam gelebter Religion’ aus?

Nur in drei europäischen Ländern (Irland, Polen, Schweiz) geht die Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig zur Kirche, in den meisten anderen sind es weniger als 20% (‚Westdeutschland’: 15-17%; ‚Ostdeutschland’ 4%). Kein Indikator ist seit den 1950er Jahren in den meisten europ. Ländern so stark gefallen wie dieser. Hier zeigt sich auch der deutlichste Unterschied zu den USA, wo sich „quer durch die Bekenntnisse […] die Religionsgemeinschaften als anhaltend vital erweisen“. Besonders krasse Beispiele stellen die Niederlande und Großbritannien dar, in denen fast eine ganze Generation die religiöse Bindung ihrer Kindheit verloren hat. In ‚Ostdeutschland’ und Tschechien gibt es bereits eine breite zweite Generation kirchlich Ungebundener, so dass 48% bzw. 33% areligiös aufwachsen. Casanova konstatiert: „In Frankreich, Ostdeutschland und Tschechien als den säkularisiertesten Ländern Europas ist die Religion im Sinne einer Kette kollektiven Gedächtnisses eindeutig am Verschwinden.“

In allen diesen Fällen können diese Prozesse aber nicht mit der klassischen Säkularisierungsthese, also als Modernisierungsprozesse, erklärt werden, sondern nur aus der jeweils spezifischen historischen Dynamik von Staat, Kirche und Nation. Pointiert: „Nur wenige würden wohl die stärkere Säkularisierung Ostdeutschlands (im Vergleich zu Westdeutschland) darauf zurückführen, daß Ostdeutschland moderner sei“. 

So kommt auch Casanov zu dem Schluss, „daß die eurozentrische Ansicht, der zufolge westeuropäische Entwicklungen einschließlich der Säkularisierung allgemeine universelle Prozesse seien, nicht mehr haltbar ist“. Vielmehr gelte: „Auf dem Gebiet der Religion gibt es keine global gültige Regel. […] Es gibt daher keinen Ersatz für ernsthafte vergleichende historische Analyse.“

So kommt Casanova gegen Ende zu einer ganz eigenen Pointe, nachdem er die Bedeutung der aufklärerischen Religionskritik für die Identität Europas betrachtet, konstatiert er:
„In dieser Hinsicht sind Säkularisierungstheorien in Europa in dem Maße sich selbst erfüllende Prophezeihungen, als eine Mehrheit der Bevölkerung sie als Beschreibung von Gegenwart und Zukunft akzeptiert. Die Annahme, daß eine Gesellschaft desto areligiöser werde, je moderner sie sei, wurde in Europa zu einer Selbstverständlichkeit – in der Religionssoziologie, aber auch bei der Bevölkerung. Dieses Postulat hat reale Konsequenzen auf dem Gebiet der Religiosität.“

In diesem Sinne kann man die Säkularisierungstheorie wohl als eine große Erzählung betrachten und vielleicht als eine der letzten großen ‚modernen’ Erzählungen, die gerade zusammenbricht. Zumindest bei den Religionssoziologen, mal sehen was passiert, wenn das in die breite Bevölkerung sickert. Man darf gespannt sein…

P.S.: Zu ähnlichen Ergebnisse kam übrigens der Religionsmonitor 2008 der Bertelsmann Stiftung.

Probiotische Kopfblamagen

Momentan komme ich zu Hause nicht ins Internet, sondern nur im Büro. Unter anderem deswegen gab es hier schon so lange kein Beitrag mehr von mir oder Antwort auf die Kommentare. Und jetzt nach 8h Unterrichten (Wochenende 2 meines Blockseminars 'Bildung und Religion') reicht es auch nicht mehr als für ein kurzes Lebenszeichen. Immerhin schon mal etwas.
Und jetzt verspätet ab ins Wochenende...Beste Grüße an alle!

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    "Doch keine Ruhe - ach, es wird sie nie geben! - auf dem Grund meines Herzens, diesem alten Brunnen am Ende des verkauften Landguts, Erinnerung an die mit Staub verschlossene Kindheit auf dem Dachboden eines fremden Hauses. Keine Ruhe - und ich verspüre, weh mir!, nicht einmal das Verlangen sie zu finden..."

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    "Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen. Ein Werdender wird immer dankbar sein."

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    "Allein auch mit der Selbstannahme ist es noch nicht getan! Solange ich die Umwelt überzeugen will, daß ich niemand anders als ich selbst bin, habe ich notwendigerweise Angst vor Mißdeutung, bleibe ihr Gefangener kraft dieser Angst...Ohne die Gewißheit von einer absoluten Instanz außerhalb der menschlichen Deutung, ohne die Gewißheit, daß es eine absolute Realität gibt, kann ich mir freilich nicht denken', sagt mein Staatsanwalt, 'daß wir je dahin gelangen können, frei zu sein."

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    "...und ich sah, daß all diese Zeichen nur ein großes Durcheinander waren und daß man sich damit abfinden mußte, nie alles über den anderen zu wissen, noch nicht mal die Hälfte, und ich dachte, daß er sich bestimmt mit ähnlichen Gedanken herumschlug, denn auch er wußte nichts, und das brachte mich erst zum Lachen, dann machte es mich traurig."

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